Tansania
Kooperation zwischen traditionellen und biomedizinischen Gesundheitssystemen zur Behandlung von Diabetes mellitus und Hypertonie im Kontext des Gesundheitssystems von Sansibar
Das Projekt wurde von Südtiroler Ärzte für die Welt (Senior Project Manager Dr. Tanja Nienstedt) initiiert und finanziert und wird in Partnerschaft mit der lokalen NGO JUWAZA (Zanzibar Association of Retirees and Elders) durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, die Ressourcen eines kulturell verwurzelten Gesundheitssystems, wie traditionelle Heiler (Healer) zu nutzen, um eine möglichst breite Patientenbasis zu erreichen.
Einführung und Inhalt des Projektes:
Laut Daten der International Diabetes Federation (IDF) aus dem Jahr 2024 lebt einer von neun Erwachsenen mit Diabetes, was 589 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 79 Jahren entspricht. Prognosen gehen davon aus, das bis 2050 die Gesamtzahl der Diabetesfälle auf 853 Millionen ansteigen wird, was einem Anstieg von 45 % entspricht. Über 81 % der betroffenen Erwachsenen leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Allein im Jahr 2024 verursachte Diabetes 3,4 Millionen Todesfälle, also einen Todesfall alle sechs Sekunden.
• Menschen, die an Diabetes leiden, haben ein bis zu dreimal höheres Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln.
• Etwa jeder dritte Mensch mit Diabetes entwickelt im Laufe seines Lebens eine Form von Sehkraftverlust.
• Nierenversagen tritt bei Menschen mit Diabetes 10-mal häufiger auf als bei Menschen ohne Diabetes.
• Weltweit wird alle 30 Sekunden eine untere Gliedmaße aufgrund von Diabetes amputiert. Dieser Verlust ist in jeder Situation schwerwiegend, kann jedoch in einer Gesellschaft mit begrenzten Gesundheits- und Sozialhilfsmitteln katastrophale Folgen haben.
Prognosen zufolge wird die Gesamtzahl der Menschen mit Diabetes in Afrika bis 2050 um 142% auf 60 Millionen ansteigen.
Tanzania / Zanzibar:
Tanzania / Zanzibar gehört zu den fünf Ländern in Subsahara-Afrika (einschließlich Südafrika, Nigeria, Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo) in denen die Zahl der Menschen mit Diabetes und den oben genannten Komplikationen am höchsten ist.
Innovative Vorsorge- und Screening-Methoden zu entwickeln, ist somit entscheidend.
Laut der WHO vertrauen 80 % der Bevölkerung in den Ländern südlich der Sahara in erster Linie auf traditionelle Medizin und ihre Repräsentanten. Dies ist auf kulturelle Akzeptanz, Erschwinglichkeit und leichte Zugänglichkeit als Gesundheitsversorgung zurückzuführen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) würdigt die wesentliche Bedeutung traditioneller Heiler bei der Prävention von Krankheiten, einschließlich sicherer Mutterschaft. Ziel 7 der Millenniums-Entwicklungsziele sieht den Erhalt natürlicher Ressourcen, einschließlich traditioneller Medizin, vor.
In diesem Zusammenhang und als Ausgangspunkt für ein Pilotprojekt wurde mit der Universität Berlin eine Grundlagenstudie zum Thema "Bridging Gaps in Health Care and Healing: Traditional Medicine and the Biomedical Health Sector in Zanzibar" mit Anthropologen, Vertretern der traditionellen Heilergemeinschaft, dem Gesundheitsministerium und medizinischem Personal durchgeführt, um das gesundheitspolitische Potenzial dieses Projekts zu ermitteln.
Projektgebiet: Urban West, Sansibar
Einwohnerzahl: 893.169 / Aktuelles Pilotgebiet: 225.000
Projektdauer: Voraussichtliche Laufzeit von 3 Jahren.
Allgemeines Ziel:
• Verbesserung der Diabetes- und Bluthochdruckbehandlung in Sansibar.
• Förderung der Zusammenarbeit zwischen traditionellen Heilern und Ärzten.
• Aufklärung von comunity leader (Sheha) , Bevölkerung und Schulen über Bluthochdruck, Diabetes und Komplikationen.
• Prüfung traditioneller Medikamente auf Toxizität.
• Stärkung der häuslichen Pflege durch traditionelle Heiler für Patienten mit Diabetes- und Hochdruckkomplikationen.
Wir haben 50 offiziell registrierte Heiler und Heilerinnen ausgebildet und zertifiziert , die nun Blutdruck und Blutzucker messen, grundlegende Informationen über chronische Erkrankungen geben und Krankenakten sowie Überweisungsformulare an Krankenhäuser erstellen können.
Wir haben Aufklärungsarbeit zum Projekt und zu Diabetes und Bluthochdruck/Komplikationen in den Gemeinden durchgeführt, Gemeindeleiter (Shehas) geschult und Aufklärungsarbeit in fünf Schulen durchgeführt, weitere folgen. Dabei arbeiten wir eng mit dem Bildungsministerium zusammen. Um die Reichweite zu erhöhen, haben wir kurze Informationsvideoclips erstellt, die über den am häufigsten genutzten Social-Media-Kanal, WhatsApp, in der Bevölkerung verbreitet werden. Darüber hinaus informiert das Ministerium auf unsere Initiative die Heiler über Notfälle wie die jüngste Ebola-Epidemie.
Digitalisierung der Heiler: Im Rahmen der kürzlich erfolgten Digitalisierung des gesamten Gesundheitssektors haben wir eine Pilotgruppe von 10 Heilern mit Tablets und einem digitalen Kartei- und Überweisungssystem ausgestattet, um die Koordination mit dem Gesundheitssystem zu optimieren und die Datensammlung zu ermöglichen.
Wir koordinieren und begleiten das Projekt engmaschig mit vier Ansätzen:
1. Institutionelle Ausrichtung: wir stimmen uns regelmäßig mit dem Gesundheitsministerium ab und reichen Evaluierungsberichte gemäß internationalen Standards ein.
2. Field Support: unser Team führt monatliche Besuche bei den Heilern durch, um praktische Probleme schnell zu lösen.
3. Digitalisierung: die Heiler nutzen Tablets und ein digitales System für die Datenerfassung und Krankenhausüberweisungen.
4. Team: unser gesamtes Team sowie die Bewertenden sind lokale Fachkräfte mit umfassender Expertise.
Aktualisiert am 01.08.2026
Safe Motherhood
Der Bau von 4 Geburtenstationen in Tansania waren die ersten Projekte unseres Vereins. In Zusammenarbeit mit der Vereinigung CUAMM Medici con l’Africa, welche die Projekte in Afrika umgesetzt hat und leitet, der Autonomen Provinz Bozen und der Diözese von Dar Es Salaam konnten wir die Errichtung von 4 der insgesamt 11 Safe Motherhood Stationen finanzieren. Ein wichtiger Teil des Projektes waren Schulungen und Seminare für das einheimische Personal über „Sicheres Gebären“. Die Geburtenstationen befinden sich in Yombo, Msimbasi, Kibiti und Luguruni.
Aidsprogramme
In Zusammenarbeit mit dem Allamano Center, der Region Trentino Südtirol und der Autonomen Provinz Bozen finanzierten wir ein breit angelegtes Aids Programm in Iringa. Durch Kontroll- und Präventionsmaßnahmen werden die Ausbreitung von Aids eingedämmt, HIV Tests durchgeführt, HIV-Träger antiretroviral behandelt und Terminalpatienten zu Hause betreut. Mit Unterstützung der Happy Banking Aktion der Südtiroler Sparkasse ermöglichten wir den Schulbesuch und die medizinische Betreuung der im Projekt registrierten Waisenkinder.
Matembwe
Tosamaganga
In Tosamaganga ermöglichten wir mit Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen und der Region Trentino Südtirol die Sanierung und einen Zubau für das Krankenhaus. Tosamaganga ist ein Missionsspital, das schon seit über 40 Jahren für viele tausend Menschen die einzige medizinische Einrichtung weit und breit war.
Mikumi und Ukonga
In Zusammenarbeit mit der Autonomen Provinz Bozen ermöglichte den Umbau und die Einrichtung des Labors im Krankenhaus Mikumi. Für das Krankenhaus Ukonga wurde mit Hilfe des Lions Clubs Maiense ein Sterilisator gekauft.

























