"Der einzig wahre Fortschritt für die Menschheit ist der Fortschritt in der Nächstenliebe"
Aldous Huxley
Uganda Dr. C. Kirchlechner - Als Biologin Krankenhaus von Maracha

Bericht Dr. Christine Kirchlechner Maracha Hospital, Arua, West-Nile

Bin wieder zurück, habe in Uganda viel Aufregendes aber auch viel Trauriges erlebt , versuche nun dem Verein zu berichten. Eigentlich sollte ich ja im Maracha Hospital Analysen zur Überwachung der Leberfunktion zum Monitoring der Patienten in antiretroviralen Therapie einführen.

uganda1.jpgDiese Aufgabe erwies sich als (zu) schwierig, ich konnte zwar letztendlich die Transaminasen bestimmen, es gelang mir aber zeitlich nicht mehr das Laborpersonal genügend zu schulen, damit sie die Analysen selbständig durchführen können. Dies hauptsächlich aus folgenden Gründen: Einige Wochen vorher hatte die große Regenzeit begonnen und wir wurden von Anfragen auf Malaria überschüttet. Am Analysegerät zur Bestimmung der Leberfunktionstests fehlte der passende Stecker, ebenfalls am Inkubator, welcher zur Durchführung der Tests benötigt wird. Das Organisieren der passenden Stecker nahm mehrere Tage in Anspruch, der Elektriker musste erst nach Arua fahren um sie zu besorgen. Das Laborpersonal besteht größtenteils aus angelernten Kräften welche noch nie chemische Analysen durchgeführt hatten, es fehlten ihnen die nötigen Vorkenntnisse wie z.B. Umgang und die Reinigung von automatischen Pipetten, Küvetten und Glassware;. Die beiden Labortechniker hatten zwar während ihres Studiums Analysegeräte kennen gelernt, aber auch nie damit gearbeitet. Die antiretrovirale Therapie wird in Maracha z. Z. noch nicht durchführt da zwischen der NGO (USAID),welche das Ganze finanziert, und dem ugandischen Gesundheitsministerium noch einige Punkte geklärt werden müssen. Der Zeitpunkt der Einführung war dem Medical Superintendent nicht bekannt. Vielleicht kann ich ja dann noch mal hinfahren.......... Hier nun also der Versuch einer Zusammenfassung meiner Tätigkeit im Labor Blutabnahme Sämtlichen Blutproben wurden ca 0,5 ml flüssige Natriumcitrat als Gerinnnungshemmer beigefügt. Dies verursacht bei einer durchschnittlich abgenommenen Blutmenge von 2ml eine Verdünnung und somit eine Unterbewertung der Blutwerte (Hämoglobin!, WBC total Count, ecc.) von ca 20 %. Bei Blutproben von Kindern war der Verdünnungseffekt meistens noch höher da es dem Pflegepersonal selten gelang mehr als 1-1.5 ml Blut abzunehmen. Diese Unterbewertung des Hämoglobinwertes kann zu unnötigen Bluttransfusionen führen. Laut Auskunft der dort arbeitenden italienischen Kinderärztin halten sich vor allem die clinical officers häufig strickt an die Regel Transfusion bei Hb <5 g/dl bei Kindern ohne andere klinische Daten mit ein zu beziehen. Diese Fehlerquelle auszuschalten war technisch relativ einfach, der alternative Gerinnungshemmer (EDTA) war vorrätig ,wurde aber vom Laborpersonal nicht benutzt da die uganda2.jpgHerstellung des EDTA-Pulvers und die Vorbereitung der Blutprovetten aufwendiger war als die einfache Zugabe von flüssigem Natriumcitrat unmittelbar vor der Blutentnahme. Es war also vor allem Überzeugungsarbeit zu leisten. Bluttransfusion Im Labor wurde nicht beachtet, dass das Transfusionszentrum von Arua das Krankenhaus Maracha zwar meistens mit Vollblut, manchmal aber auch mit Erythrozytenkonzentraten versorgt.. Die im Labor zur Transfusion vorbereitete Menge an Blut richtete sich aber ausschließlich nach dem Körpergewicht des Kindes ohne auf die notwendige Unterscheidung von Erykonzentraten und Vollblut zu achten. Mit den Labortechnikern wurde vereinbart dass in Zukunft bei Vorliegen von Erykonzentraten die Ärzte /clinical officers informiert werden, damit die zu transfundierende Menge Blut angepasst wird. . Bestimmung des Hämoglobinwertes Der Hämoglobinwert wird im Labor manuell, mittels des Sahli-Hämoglobinometers bestimmt. Es handelt sich hierbei um eine visuell-komparative Methode. Sie sollte eigentlich nur zum Screening und vor allem in Primary Health Center oder Health Posts verwendet werden, da die Unrichtigkeit und Ungenauigkeit dieser Methode von der WHO als hoch eingestuft wird. Diese Methode ist als Entscheidungshilfe für Transfusionen nicht zu empfehlen. Die Vergleichstandards des im Labor verwendeten Sahli-Hämoglobinometer sind außerdem durch ihren jahrelangen Gebrauch verblasst was eine zusätzliche Fehlerquelle verursachte. Vor meiner Abreise ist es mir gelungen ein neues Sahli Hämoglobinmeter anzukaufen. Meiner Meinung nach wäre es aber notwendig eine von der WHO befürwortete Methode zur Hämoglobinbestimmung einzuführen.(Projekt des Vereins?) Desinfektion der Mikropipette Zur Bestimmung des Hämoglobins wird öfters Kapillarblut verwendet. Mittels einer Mikropipette aus Glas wird 20 μl Kapillarblut direkt von der Fingerbeere angesaugt. Diese Glaspipette wurde nur in einem Wasserbehälter kurz durchgespült und sofort wiederverwendet. Ich habe auf die Notwendigkeit der Desinfektion hingewiesen und eine SOP (Standard Operational Procedure) zur Desinfektion dieser Pipette erarbeitet. Erstellen weiterer SOP's (schriftliche Anleitung zur Durchführung von Arbeitabläufen) Prozeduren zur korrekten Durchführung folgender im Labor durchgeführten Analysen und Tätigkeiten wurden schriftlich festgelegt, gedruckt und an die Wand geklebt: · Herstellung von 0,25% Hypochloridlösung aus Chlorbleiche (Candeggina) zum desinfizieren von Glasprovetten, Objektträgen usw. (reusable glassware) · Desinfektion der Arbeitsflächen · Bestimmung des Hb-Wertes mit der Sahli Methode · Herstellung des Gerinnungshemmers EDTA und Vorbereitung der Provetten für die Abnahme · Durchführung des Blutsenkungsgeschwindigkeit · Durchführung der Analysen GOT und GPT So, ich glaube das war auch schon alles was ich in vier Wochen erreichen konnte..... ihr kennt ja Afrika.

 
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