"Der einzig wahre Fortschritt für die Menschheit ist der Fortschritt in der Nächstenliebe"
Aldous Huxley
Äthiopien 2010 - Erfahrungen zweier Hebammen im Walga Health Center - Äthiopien

Kathrin Gruber und Heidi Insam

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Das Walga Health Center befindet sich etwa 300 km südlich von Addis Abeba, in der Nähe von Wellkite. Das naheliegende Dorf namens Fitte ist sehr klein und auf keiner Landkarte zu finden. Der Name Walga stammt vom Fluss, der in unmittelbarer Nähe der Klinik läuft und dort einen sehr schönen und in der Regenzeit nahezu gigantische Wasserfall hat. Bereits seit vielen Jahren wird die Klinik von den weltlichen Schwestern der „Mission am Nil“ geführt welche eine schweizer Organisation ist. Das ist nicht ganz einfach wenn man bedenkt, dass es in Walga immer noch kein Telefon- und natürlich auch keinen Internetanschluss gibt. Die einzige Verbindung zur Außenwelt sind zweimal täglich Radiofunkverbindungen mit ihrem Stützpunkt in Addis Abeba. Dies soll sich jedoch bald ändern, da die Regierung bereits einen Empfängermasten in Fitte aufgestellt hat und es nun nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis ihn die Regierung beschließt in Betrieb zu nehmen.

 

  

1a.dsc_0034_43.jpgDas Walga Health Center hat verschiedene Abteilungen für die stationär aufgenommenen Patienten, welche großteils in Form von „Tukuls“ (typischer Rundbau) angelegt sind. Es können etwa 40 stationäre Patienten aufgenommen werden. Es gibt einen Kreißsaal, einen Nutrition Tukul, einen Tuberkulose Tukul, Isolation Tukul, Men Tukul, Woman Tukul, Childrens Tukul und den „Big Tukul“, wo die verschiedenen Patienten untergebracht sind. In Walga werden nur „relativ“ einfache Krankheitsbilder behandelt, da es weder einen Operationssaal gibt, noch die Möglichkeit besteht spezifische Blutuntersuchungen oder Röntgenbilder zu machen. Die am häufigsten auftretende Erkrankung im Walga Health Center ist mit Sicherheit die Malaria, gefolgt von bronchiale Infekten und verschiedenen Parasiten. 1a.dsc_0034_65.jpg

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Im weiteren werden etwa 400 bis 450 Babys jährlich in Walga geboren, wobei man bedenken muss, dass es keinen Operationssaal für Sectiones gibt! Vakuums werden von den Hebammen durchgeführt. Die Kontrolle der fetalen Herzfrequenz erfolgt natürlich ohne CTG, es steht nur das Pinart Hörrohr zur Verfügung. Alle Frauen die einen Kaiserschnitt brauchen müssen in das etwa 40 Autominuten entfernte Attat Hospital gebracht werden. Zwei Mal wöchentlich werden Schwangerschaftskontrollen durchgeführt. An diesen Tagen kommen 50 bis 80 Schwangere zur Vorsorgeuntersuchung. 1a.dsc_0034_59.jpg

Ein Mal wöchentlich wird ein „teaching“ zu einen bestimmten Thema abgehalten. Alle Krankenpfleger sollten daran teilnehmen, es ist eine Art Fortbildung. 4.dsc_0002_15.jpgVon großer Wichtigkeit ist auch die Arbeit mit den unterernährten Kindern. Im Health Center werden sie mit Spezialmilch wieder aufgebaut. Zugleich wird den Müttern vom einheimischen Personal erklärt, wie sie ihre Kinder richtig ernähren müssen. 4.dsc_0002_20.jpgGanz neu angelaufen ist das HIV Programm. Dabei bekommen Betroffene die Medikamente zur Behandlung von HIV und AIDS gratis zur Verfügung gestellt. Der „Out Patient“ Bereich ist ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Arbeit im Health Center. Täglich werden zwischen 80 und 120 Patienten ambulant behandelt. Die sechs Krankenpfleger teilen sich die Arbeit zwischen „In- und Out Patients“. Weiters arbeiten drei Hebammen und einige Helfer im Health Center. Die Angestellten gewährleisten durch ihre Arbeit einen 24 Service. Im Walga Health Center gibt es leider immer noch keinen fest angestellten Arzt. Dadurch haben die Krankenpfleger die Aufgabe Diagnosen zu stellen und Therapien zu verordnen. Für einige Monate im Jahr kommen durch freiwillige Einsätze Ärzte, vorwiegend aus der Schweiz, in das Walga Heath Center und helfen dort mit. Die Volontäre werden im Health Center Areal untergebracht. Es sind kleine Hütten mit drei bis vier Zimmern, einer Küche und einem Bad mit Dusche und WC. Das Wasser kann nicht direkt vom Wasserhahn getrunken werden. Es gibt aber überall im Heath Center Filtersysteme, welche das Wasser für uns trinkbar machen. Frühstück wird von der Haushälterin Mimmi vorbereitet. Mittag- und Abendessen gibt es für alle Angestellten in die Mensa. Ingera, das typische äthiopische Gericht, gibt es täglich, wenn aber freiwillige Helfer kommen gibt es auch Reis und Nudeln! 

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Kathrin erzählt…. Für mich war die leider sehr kurze Zeit, die ich im Walga Health Center verbracht habe sehr schön und vor allem eine sehr große Bereicherung. Obwohl ich schon einige Male in Afrika war, ist es immer wieder beeindruckend mit den einheimischen Menschen und deren Lebensweisen in Kontakt zu treten. Immer wieder ist es eine große Herausforderung in Afrika zu arbeiten, denn man muss lernen ohne große technischen Hilfsmittel auszukommen. Man muss möglichst frühzeitig versuchen zu erkennen wann es notwendig ist einen Patienten/in rechtzeitig in ein größeres Krankenhaus weiterzuschicken. Zugleich muss man bedenken, dass man eine Verlegung nur dann veranlasst, wenn es unbedingt notwendig ist, denn Verlegungen kosten den Menschen Geld und Geld ist immer sehr knapp! Die Menschen sind arm, Geld ist Mangelware, dafür haben sie aber Zeit, ein sehr wertvolles Gut!

Ein Bild das ich nach jedem Afrikaaufenthalt wieder mit nach Hause genommen habe ist das Lächeln der vielen Kinder. Man sieht sie auf dem Rücken der Mütter, auf den Straßen, dem Markt, sie sind einfach überall, winken, laufen, springen und man wird von ihrer gute Laune, ob man will oder nicht, einfach übermannt.1a.dsc_0034_412.jpgIch empfinde es als ein großes Privileg die Möglichkeit zu haben, in diese völlig anders funktionierende Welt einzutauchen, so viel wie möglich aufzunehmen und mit einem vollgepackten Rucksack wieder nach Hause zu kommen! Es ist eine Lebenserfahrung die ich jedem weiterempfehle!

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Heidi erzählt... Für mich war es das erste Mal Afrika und die erste Erfahrung als Hebamme in einem fremden Land. Äthiopien kennen zu lernen war für mich ein einzigartiges Erlebnis, wobei die Zeit im Walga Health Center am schönsten war. Die Arbeit war manchmal sehr anstrengend und nervenaufreibend, aber am Ende bekam man immer ein Lächeln geschenkt, für das sich die Mühe gelohnt hat. Mich hat auch die Kompetenz der dortigen Hebamme Worke sehr beeindruckt. Mit wenigen Mitteln schafft sie es den Frauen eine gute und fortschrittliche Geburtsbetreuung anzubieten. Die Welt, nicht nur Äthiopien, bräuchte mehr solcher Hebammen! Äthiopien ist ein armes Land und doch ist es so reich... reich an wunderschönen Landschaften, Flüssen und Bäumen, reich an netten lächelnden Leuten, reich an Kindern... Ich bin dankbar, dass ich die Chance hatte im Walga Health Center zu arbeiten und dass ich diese besondere Erfahrung machen durfte. Nun bin ich bereits wieder in den europäischen Lifestyle zurückgekehrt, zehre aber immer noch an meinen einzigartigen Erinnerungen!

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