Kathrin Gruber und Heidi Insam
Das Walga Health Center befindet sich etwa 300 km südlich von Addis Abeba, in der Nähe von Wellkite. Das naheliegende Dorf namens Fitte ist sehr klein und auf keiner Landkarte zu finden. Der Name Walga stammt vom Fluss, der in unmittelbarer Nähe der Klinik läuft und dort einen sehr schönen und in der Regenzeit nahezu gigantische Wasserfall hat.
Bereits seit vielen Jahren wird die Klinik von den weltlichen Schwestern der „Mission am Nil“ geführt welche eine schweizer Organisation ist. Das ist nicht ganz einfach wenn man bedenkt, dass es in Walga immer noch kein Telefon- und natürlich auch keinen Internetanschluss gibt. Die einzige Verbindung zur Außenwelt sind zweimal täglich Radiofunkverbindungen mit ihrem Stützpunkt in Addis Abeba. Dies soll sich jedoch bald ändern, da die Regierung bereits einen Empfängermasten in Fitte aufgestellt hat und es nun nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis ihn die Regierung beschließt in Betrieb zu nehmen.
Das Walga Health Center hat verschiedene Abteilungen für die stationär
aufgenommenen Patienten, welche großteils in Form von „Tukuls“
(typischer Rundbau) angelegt sind. Es können etwa 40 stationäre
Patienten aufgenommen werden. Es gibt einen Kreißsaal, einen Nutrition
Tukul, einen Tuberkulose Tukul, Isolation Tukul, Men Tukul, Woman
Tukul, Childrens Tukul und den „Big Tukul“, wo die verschiedenen
Patienten untergebracht sind. In Walga werden nur „relativ“ einfache
Krankheitsbilder behandelt, da es weder einen Operationssaal gibt, noch
die Möglichkeit besteht spezifische Blutuntersuchungen oder
Röntgenbilder zu machen. Die am häufigsten auftretende Erkrankung im
Walga Health Center ist mit Sicherheit die Malaria, gefolgt von
bronchiale Infekten und verschiedenen Parasiten.

Im weiteren werden
etwa 400 bis 450 Babys jährlich in Walga geboren, wobei man bedenken
muss, dass es keinen Operationssaal für Sectiones gibt! Vakuums werden
von den Hebammen durchgeführt. Die Kontrolle der fetalen Herzfrequenz
erfolgt natürlich ohne CTG, es steht nur das Pinart Hörrohr zur
Verfügung. Alle Frauen die einen Kaiserschnitt brauchen müssen in das
etwa 40 Autominuten entfernte Attat Hospital gebracht werden. Zwei Mal
wöchentlich werden Schwangerschaftskontrollen durchgeführt.
An diesen Tagen kommen 50 bis 80 Schwangere zur Vorsorgeuntersuchung.
Ein Mal wöchentlich wird ein „teaching“ zu einen bestimmten Thema
abgehalten. Alle Krankenpfleger sollten daran teilnehmen, es ist eine
Art Fortbildung.
Von großer Wichtigkeit ist auch die Arbeit mit den unterernährten
Kindern. Im Health Center werden sie mit Spezialmilch wieder aufgebaut.
Zugleich wird den Müttern vom einheimischen Personal erklärt, wie sie
ihre Kinder richtig ernähren müssen.
Ganz neu angelaufen ist das HIV Programm. Dabei bekommen Betroffene die
Medikamente zur Behandlung von HIV und AIDS gratis zur Verfügung
gestellt.
Der „Out Patient“ Bereich ist ein wichtiger Bestandteil der
medizinischen Arbeit im Health Center. Täglich werden zwischen 80 und
120 Patienten ambulant behandelt. Die sechs Krankenpfleger teilen sich
die Arbeit zwischen „In- und Out Patients“. Weiters arbeiten drei
Hebammen und einige Helfer im Health Center. Die Angestellten
gewährleisten durch ihre Arbeit einen 24 Service.
Im Walga Health Center gibt es leider immer noch keinen fest
angestellten Arzt. Dadurch haben die Krankenpfleger die Aufgabe
Diagnosen zu stellen und Therapien zu verordnen. Für einige Monate im
Jahr kommen durch freiwillige Einsätze Ärzte, vorwiegend aus der
Schweiz, in das Walga Heath Center und helfen dort mit.
Die Volontäre werden im Health Center Areal untergebracht. Es sind
kleine Hütten mit drei bis vier Zimmern, einer Küche und einem Bad mit
Dusche und WC. Das Wasser kann nicht direkt vom Wasserhahn getrunken
werden. Es gibt aber überall im Heath Center Filtersysteme, welche das
Wasser für uns trinkbar machen. Frühstück wird von der Haushälterin
Mimmi vorbereitet. Mittag- und Abendessen gibt es für alle Angestellten
in die Mensa. Ingera, das typische äthiopische Gericht, gibt es
täglich, wenn aber freiwillige Helfer kommen gibt es auch Reis und
Nudeln!
Kathrin erzählt….
Für mich war die leider sehr kurze Zeit, die ich im Walga Health Center
verbracht habe sehr schön und vor allem eine sehr große Bereicherung.
Obwohl ich schon einige Male in Afrika war, ist es immer wieder
beeindruckend mit den einheimischen Menschen und deren Lebensweisen in
Kontakt zu treten. Immer wieder ist es eine große Herausforderung in
Afrika zu arbeiten, denn man muss lernen ohne große technischen
Hilfsmittel auszukommen. Man muss möglichst frühzeitig versuchen zu
erkennen wann es notwendig ist einen Patienten/in rechtzeitig in ein
größeres Krankenhaus weiterzuschicken. Zugleich muss man bedenken, dass
man eine Verlegung nur dann veranlasst, wenn es unbedingt notwendig
ist, denn Verlegungen kosten den Menschen Geld und Geld ist immer sehr
knapp!
Die Menschen sind arm, Geld ist Mangelware, dafür haben sie aber Zeit,
ein sehr wertvolles Gut!
Ein Bild das ich nach jedem Afrikaaufenthalt wieder mit nach Hause
genommen habe ist das Lächeln der vielen Kinder. Man sieht sie auf dem
Rücken der Mütter, auf den Straßen, dem Markt, sie sind einfach
überall, winken, laufen, springen und man wird von ihrer gute Laune, ob
man will oder nicht, einfach übermannt. Ich empfinde es als ein großes
Privileg die Möglichkeit zu haben, in diese völlig anders
funktionierende Welt einzutauchen, so viel wie möglich aufzunehmen und
mit einem vollgepackten Rucksack wieder nach Hause zu kommen!
Es ist eine Lebenserfahrung die ich jedem weiterempfehle!
Heidi erzählt...
Für mich war es das erste Mal Afrika und die erste Erfahrung als
Hebamme in einem fremden Land. Äthiopien kennen zu lernen war für mich
ein einzigartiges Erlebnis, wobei die Zeit im Walga Health Center am
schönsten war. Die Arbeit war manchmal sehr anstrengend und
nervenaufreibend, aber am Ende bekam man immer ein Lächeln geschenkt,
für das sich die Mühe gelohnt hat. Mich hat auch die Kompetenz der
dortigen Hebamme Worke sehr beeindruckt. Mit wenigen Mitteln schafft
sie es den Frauen eine gute und fortschrittliche Geburtsbetreuung
anzubieten. Die Welt, nicht nur Äthiopien, bräuchte mehr solcher
Hebammen! Äthiopien ist ein armes Land und doch ist es so reich...
reich an wunderschönen Landschaften, Flüssen und Bäumen, reich an
netten lächelnden Leuten, reich an Kindern... Ich bin dankbar, dass ich
die Chance hatte im Walga Health Center zu arbeiten und dass ich diese
besondere Erfahrung machen durfte. Nun bin ich bereits wieder in den
europäischen Lifestyle zurückgekehrt, zehre aber immer noch an meinen
einzigartigen Erinnerungen!
 
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