"Der einzig wahre Fortschritt für die Menschheit ist der Fortschritt in der Nächstenliebe"
Aldous Huxley
Kamerun 2008- Verena Crepaz - Margit Gasser

Nach vielen interessanten Erzählungen von Dr. Mario Lanczik und unterstützt von den „ Südtiroler Ärzten für die dritten Welt“ sind wir nach ziemlich hektischen letzten Tagen am 21. November nach Kamerun gestartet. Zu unserer großen Erleichterung wurden wir am Flughafen bereits von Sr. Christa erwartet.

krankenhaus_shisong-_abt._chirurgie.jpg

Die ersten 2 Nächte haben wir im S. Padre Pio Hospital in Douala verbracht, bevor wir dann am Sonntag nach Kumbo, genauer gesagt nach Shisong aufgebrochen sind. Diese erste Fahrt durch das Land war sehr beeindruckend für uns, einerseits die völlig unterschiedliche Landschaft andererseits die Menschen und ihr Umfeld.

 In Shisong wurden wir von Sr. Eva Maria herzlich empfangen, die uns auch am darauffolgenden Tag durch das „St. Elizabeth General Hospital“ führte. Bereits nach der ersten Besichtigung waren wir von der Größe und Ausstattung vom Krankenhaus beeindruckt. Das Areal wirkte sehr sauber und gepflegt und als besonders schön haben wir die Grünanlagen empfunden, die vom Personal wie auch von den Patienten genutzt werden.

Mit der Verantwortlichen des Krankenhauses haben wir vereinbart für die ersten 2 Wochen auf der chirurgischen Station zu arbeiten. Am nächsten Tag wurden wir von der Stationsleitung eingeführt und waren erstaunt wie gut mit relativ wenig Mitteln gearbeitet wird. Hervorzuheben ist vor allem die gute Ausbildung der Mitarbeiter in der, dem Krankenhaus angeschlossenen privaten Schule. Drei mal wöchentlich werden Operationen, vor allem urologische Eingriffe durchgeführt, wobei wir mit dem einheimischen Pflegepersonal die prä- und postoperative Pflege durchführten.

Von Tag zu Tag kamen wir mit dem doch etwas anderen „afrikanischem“ Rhythmus besser zurecht und die Herzlichkeit und Freundlichkeit sowohl des Personals als auch der Patienten haben uns den Start erheblich erleichtert. Nach diesen zwei Wochen haben wir auf die Abteilung Pädiatrie bzw. Gynäkologie gewechselt. Auf Grund des Kinderreichtums in Afrika sind diese Stationen verständlicherweise meistens voll belegt. Die von den „Südtiroler Ärzten für die dritte Welt“ finanzierte Internetanlage wird vom gesamten Personal genutzt und auch für uns war es sehr erfreulich so einfach mit Südtirol kommunizieren zu können.

Am 17. Dezember brachen wir überraschend gemeinsam mit zwei Ordensfrauen nach Mayo Darle, einem Dorf weiter nördlich auf, um auch einen Einblick in dieses „Health center“ abgelegen im Busch zu bekommen. Mayo Darle hat ungefähr 9.000 Einwohner.

Wir konnten im Kloster wohnen, die Gastfreundschaft der fünf Ordensfrauen war überwältigend. Im Gegensatz zum recht gut ausgestatteten Krankenhaus von Shisong waren die Mittel hier deutlich primitiver und eingeschränkt. Jeder Pfleger hatte eine 2. Aufgabe zu übernehmen, so wurden Pfleger/innen zusätzlich z.B. als Hebammen, Labortechniker, Zahnarzt usw. ausgebildet. Glücklicherweise gab es in diesem „Health center“ einen Arzt, was in dieser Gegend als Privileg anzusehen ist. Deutlich zu spüren war vor allem die finanzielle Problematik der Patienten die kaum bzw. nur sehr schwer in der Lage waren die Behandlung und Therapie zu bezahlen. Für uns unvorstellbar wird hier den Patienten jedes Medikament und jedes verwendete Material verrechnet. Auswirkungen hatte dies natürlich auch auf die finanzielle Situation des gesamten Health centers.

Einen Aufschwung erhofft man sich mit dem geplanten Operationssaal, der zu einem Zuwachs von Patienten führen sollten, denn das nächstgelegene Krankenhaus mit Operationssaal ist 1 ½ Stunden Fahrt entfernt.

Die vom Verein gespendeten Materialien stehen noch verpackt im Lager, da die Räumlichkeiten wegen Geldmangels noch nicht zur Verfügung stehen. Der angekaufte Generator wurde bereits untergebracht und sollte bald in Betrieb genommen werden. Auf Grund der verschiedenen afrikanischen Dialekte gestaltete sich die Kommunikation mit den Patienten oftmals nicht einfach. Um diese sprachlichen Barrieren überbrücken zu können, war man auf die Hilfe des einheimischen Personals angewiesen.Die Menschen in Mayo Darle sind uns sehr ans Herz gewachsen, sodass uns der Abschied am 11. Januar nicht leicht gefallen ist.  

Die verbleibende Zeit in Shisong haben wir dort im Waisenhaus verbracht. Die 13 Waisenkinder haben es sichtlich genossen mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen. Mit verschiedenen Spielen, gemeinsamem Singen und Tanzen haben wir versucht den Tag so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Die mitgebrachten Luftballons und Seifenblasen waren etwas Besonderes für die Kinder. Die strahlenden Kinderaugen und das herzhafte Lachen waren für uns eine enorme Bereicherung und Freude, wir haben viele schöne und unvergessliche gemeinsame Momente erlebt.

Wir haben während dieser 3 Monate versucht mit unseren Möglichkeiten den Menschen Hilfe und Unterstützung zu geben. Zahlreiche Begegnungen und viele schöne Erfahrungen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

 

 
 
< zurück   weiter >
Die Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt Die Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt Die Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt