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Bericht von Dr. Toni Pizzecco über seinen Einsatz in Kalkutta
Heuer bin ich zum zweiten Mal nach Kalkutta gereist und ich muss gestehen, dass mich diese Stadt jedes Mal von Neuem in seinen Bann, gemischt aus Faszination und Bedrückung zieht. Eine Stadt, mit 20 Millionen Einwohnern, in die täglich 1000 Menschen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft hinzuziehen.
Und so leben sie, zuerst entlang der Bahngeleise der Hauptbahnhöfe,
später auf den Gehsteigen der Stadt und wenn sie Glück haben und besser
etabliert sind, dann errichten sie sich eine Baracke in einem der
vielen Slums Kalkuttas.Dennoch strahlen diese Menschen in ihrer Armut
und in ihrem Elend eine unglaubliche Würde und Demut aus. Ziel meiner
Kalkutta-Reise war es erstens das Projekt, das unsere Verein in
Zusammenarbeit mit der einheimischen Organisation Ali Sk Memorial for
the Children, seit ca. 1 Jahr unterstützt, zu besuchen. Zweitens wurde
ein weiteres Projekt an uns herangetragen, in welchem es wiederum um
Strassenkinder geht und auch hier wollte ich mir vor einer definitiven
Zusage der Zusammenarbeit ein genaueres Bild von der Ausgangssituation
machen, und drittens besuchte ich das Sterbehaus der Mutter Theresa von
Calcutta um Medikamente, Verbandsmaterial, Handschuhe und auch eine
Spende abzugeben. Das Strassenkinderproblem in Kalkutta ist enorm. Man
schätzt ihre Anzahl auf 100.000; 10% davon kommen in Heimen unter, 40%
werden an Bahnhöfen sporadisch betreut (Essen, medizinische Versorgung)
und haben die Möglichkeit in sogenannten "Platform-Schools" eine
minimale Erziehung zu erhalten, die anderen 50% sind vollkommen auf
sich selbst gestellt. Das Kinderheim der Organisation Ali Sk Memorial
for the Children gibt zur Zeit 28 Buben im Alter zwischen 1 1/2 und 10
Jahren ein Zuhause. Diese Kinder sind entweder Waisenkinder oder wurden
einfach von ihren Familien ausgesetzt. Sie besuchen eine Privatschule
und werden am Nachmittag von Lehrern und Sozialarbeitern betreut, die
ihnen bei den Aufgaben helfen. Weiters erhalten sie je nach
individuellen Fähigkeiten, Musik- und Sportunterricht. Die Kinder haben
mir einen äußerst guten und zufriedenen Eindruck gemacht. Es ist wie
eine Großfamilie mit unendlich vielen Brüdern, sogar einen Hund haben
sie, damit es ein bißchen "heimelig" ist. (In Indien ist es nicht
möglich innerhalb eines Heimes Buben und Mädchen zu vermischen, darum
handelt es sich hier um ein reines Bubenheim) Es wird für die
medizinische Grundversorgung, Impfungen usw. gesorgt. Ich habe alle
Kinder untersucht und außer den schlechten Zähnen waren alle gesund. Da
die Notwendigkeit, Straßenkinder in Heimen unterzubringen, sehr groß
ist, und da die Organisation genügend Platz hat ein 2. Heim zu
errichten, wird Ali Sk Memorial for the Children durch die finanzielle
Unterstützung der Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt und der Region
Trentino Südtirol ein 2. Gebäude und somit ein zweites Heim für ca. 40
Kinder errichten, sobald die endgültige Baugenehmigung definitiv
erteilt worden ist. Das zweite Projekt, das ich in Kalkutta besucht
habe, geht wiederum um Straßenkinder, genauer, um Kinder aus dem
Rotlichtmilieu, Kinder, die durch die Arbeit ihrer Mütter gezeugt
wurden, Kinder, die sehr häufig nicht geliebt, ausgesetzt, misshandelt
oder sogar selbst zur Prostitution gezwungen werden. Der Laiensorden
"Missionaries of the Word" rund um Brother Xavier, arbeitet seit 1994
mit diesen Kindern. Einige Jahre lang wurden diese Kinder von Xavier
und seinem Orden in den jeweiligen Vierteln betreut und in
"Plateform-Schools" unterrichtet Der Erziehungserfolg war aber gering,
da sie am Abend wieder den Schikanen des Milieus unterlagen. 1997
errichte Xavier am Stadtrand von Kalkutta ein Heim für Mädchen, eines
für Jungen, in denen jetzt insgesamt 65 Kinder, die von ihren Müttern
abgewiesen wurden, ein Zuhause gefunden haben. Sie besuchen staatliche
Schulen, werden von Lehrern und Sozialarbeitern rund um die Uhr
betreut, sie erhalten Unterricht in Handwerk, Musik, Tanz und Sport.
Aufgrund des Stigmas, das diesem Milieu und diesen Menschen anhaftet,
können die Missionaries of the Word, auf so gut wie keine Unterstützung
zurückgreifen. Da der Mietvertrag, für das Haus (und hier handelt es
sich um ein äußerst armseliges Gebäude aus Bambusstangen, Flechtwerk
und Plastikplanen) der Mädchen im April 2004 ausläuft, finanzieren die
Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt zusammen mit der Region Trentino
Südtirol den Kauf eines Grundstücks mit Gebäude und die Sanierung des
selben. Ich habe das Grundstück und das Gebäude besichtigt, auf dem
Xavier mit seinen Mädchen voraussichtlich innerhalb 30. Oktober 2003
einziehen wird. Auf dem selben Grundstück wird ab April 2004 mit dem
Bau eines zweiten Gebäudes begonnen, in welchem in Zukunft die Buben
untergebracht werden sollen. Zur Zeit stellt die Kirche den
Missionaries of the Word ein Gebäude dafür zur Verfügung. Abschliessend
habe ich das Sterbehaus der Mutter Theresa von Calcutta besucht,
Verbandsmaterial, Handschuhe, Medikamente und eine Spende abgeliefert.
Natürlich wird man als Arzt gleich eingesetzt, zum nähen, amputieren,
medikamentösen Beratungen usw. Kalikat ist ein einmaliges Haus, in dem
Leute aufgenommen werden, die in der "Hölle" Kalkuttas kaum überleben,
um dann im "Himmel" Kalkuttas zu sterben Besonders habe ich mich
gefreut Andy Wimmer wiederzusehen, der als ehemaliger Bankkaufmann seit
12 Jahren in diesem Haus dient.
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