"Der einzig wahre Fortschritt für die Menschheit ist der Fortschritt in der Nächstenliebe"
Aldous Huxley
Indien, Dr. N. Pescosta - Einsatz in Kalkutta 2003

Zusammen mit Erich Näckler, bin ich für den Verein "Südtiroler Ärzte für die 3. Welt" kurz nach Kolkata (ind.Name für Calcutta) aufgebrochen, um bereits geförderte Projekte zu besichtigen und um eventuelle neue Initiativen aufzuspüren, die wir unterstützen könnten. 

ind1.jpgIch selbst bin als Haematologe im Bozner Krankenhaus tätig, Erich ist Flughelfer bei der Südtiroler Landesflugrettung. Der erste Eindruck dieser fast 20 Millionen Menschen Metropole ist unbeschreiblich, mit all den Menschen auf der Strasse, den Gerüchen, dem Lärm und der so verschiedenen Lebensweise. Inmitten dieses Chaos trafen wir in einer kleinen Strasse zufällig die beiden zur Zeit in Kolkata arbeitenden südtiroler Krankenschwestern, Claudia Dessi und Veronika Obermayr , welche in den Projekten von Mutter Theresa mitarbeiten. Wir haben uns dann einige Tage mit Hilfe von Claudia und Vroni in den Projekten von Mutter Theresa umgeschaut und mitgearbeitet.Beeindruckend war die Ruhe in der "Oase" des Sterbehauses von Kalighat mit seiner besonderen Atmosphäre, der Schwester Teresina, dem Bayer Andy Wimmer und all den Freiwilligen jeder Altersgruppe aus den verschiedensten Ländern der Welt, die sich um ca. 50 Kranke und Ausgestossene, meist von der Strasse kommend, kümmern! Ich würde Jedem empfehlen einfach einmal einige Tage dort zu verbringen! Wir haben Andy kennengelernt, einen ehemaligen Bankkaufmann, der nun seit 13 Jahren als Freiwilliger im Sterbehaus in Kalighat....Ausserdem hilft er einzelnen Familien der Umgebung, welche in unvorstellbaren Verhältnissen hausen; dabei untertützt unser Verein ihn finanziell (dies geht vom Kauf von Schulmaterial bis hin zum Kauf von einem Ventilator für eine 4 Quadratmeterwohnung, in welcher 5 Menschen leben!?). Wir wurden dann von Wolfgang Müller der Ali Sk Memorial Society for Children zu seinem Projekt im südlichen Kolkata geführt. In seinem Haus nimmt Wolfgang Kinder auf, (das kleinste ist 18 Monate alt), welche von anderen Organisationen im Bahnhof Shealda gefunden, aufgenommen und fürs Erste versorgt werden. Einige Hundert Kinder leben "wie Wildkatzen"in den Bahnhöfen Calcuttas, menschenscheu und von den Eltern ausgesetzt. Nach einer ersten Phase, in der die Kinder an eine "andere Form des Zusammenlebens" gewöhnt werden, wird mit Wolfgang oder anderen ähnlichen Projekten Kontakt aufgenommen, welche die Kinder dann übernehmen. Wolfgang hat zur Zeit 25 Kinder im Haus. Auf einer schattigen Dachterasse bei ihrem gemeinsamen Mittagessen, haben sie uns mit frohen Gesichtern empfangen. Am Nachmittag habe ich eine ärzliche Untersuchung an den Kindern durchgeführt, wobei ich feststellte, dass sie gut versorgt und ohne nennenswerte Probleme waren, wenn man von einer gerade durchgemachten Varizellen-Epidemie im Haus absieht; die Kinder werden hier regelmäßig von einem Arzt betreut und haben auch alle empfohlenen Impfungen erhalten. Wolfgang kümmert sich ausser um die Verpflegung auch um die Schulbildung, die Freizeit (z.B.Karate-Kurs)und geht sogar manchmal mit den Kleinen in den Urlaub ans Meer oder in die Berge, wie ein Vater, aber eben mit 25 Kindern...! Mit der Unterstützung der Region Trentino Südtirol wird unser Verein die Erweiterung dieses Hauses finanzieren, um ca. 40 Kindern Platz zu gewährleisten. Nach Überwindung der letzten burokratischen Hürden in Indien, sollten die Bauarbeiten so bald wie möglich beginnen. Der Bayer Andy Wimmer hat uns auf ein Projekt eines indischen Geistlichen aus Kerala , Pater Xavier-Missionaries of the Word, aufmerksam gemacht. Seit ca. 4 Jahren nehmen die Padres Kinder aus dem Rotlichtmilieu rund um das Sterbehaus von Kaligath auf, welche von ihren Müttern, die als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdienen, völlig vernachlässigt oder ausgesetzt worden sind. Wir haben ihn im Süden von Kolkata in der Nähe von Feldern und Kanälen in seinen grossen Bambushütten besucht. Auch hier erwarteten uns an einem Wochenende 50 Kinder, im kleinen Hof Fussball spielend. Pater Xavier hat dieses kleine Landstück in Miete und hat darauf 2 Bambushütten aufgestellt, in denen jeweils 25 Kinder wohnen ( die Mädchen wohnen etwas weiter weg, am Wochenende sind sie alle vereint); er sorgt für den Unterhalt, schickt sie in die nahegelegene Schule, bezahlt das Schulgeld und verpflichtet sich auch nach Schulabgang den Jugendlichen eine Ausbildung zu gewährleisten ( Schneider, Tischler,...). Für eine medizinische Betreuung fehlen allerdings die Mittel. Da der Mietvertrag ausläuft, hat Pater Xavier die Möglichkeit das Grundstück zu kaufen, andernfalls muss er wegziehen, was dieses mühsam erlangte Gleichgewicht ins Wanken bringt und die Zukunft der Kinder vollkommen verunsichert. Für dieses Projekt möchten wir uns einsetzen, zumal es noch in den Kinderschuhen steckt, und auch keine Aussicht auf Finanzierung durch andere Organisationen besteht. Wir haben dann ein weiteres Projekt ausfindig gemacht, welches ähnlich wie jenes von Wolfgang mit Kindern aus den Bahnhöfen arbeitet. Hierfür sind wir zum Bahnhof Howrah gefahren, von hier aus mit einem Bus zum Haus von Schwester Molly (einer Ordensschwester mit mehreren Häusern, Mutterhaus im Norden Indiens). Auch hier ein ähnliches Bild,ein sehr ordentliches Haus mit 25 Kindern und ausgezeichneter Betreuung durch3 Ordensschwestern. Schwester Molly wird ein 2. Haus eröffnen, wobei sie uns das Haus gezeigt hat. Es fehlen aber noch die nötigen Mittel um diese einzurichten. Auch hier wäre eine finanzielle Hilfe nötig und sinnvoll. Diesen drei Projekten ist gemeinsam, dass Kindern, die ansonsten ohne Zukunft wären, ein Zuhause und die Möglichkeit einer Schulbildung gegeben wird, und Letzteres ist sicherlich eine der wenigen Möglichkeiten, vielleicht etwas für eine bessere Zukunft beizutragen, wenn auch mit dem Bewusstsein, dass es nur ein kleiner Tropfen im Ozean ist. Norbert Pescosta 

 
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