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Zusammen mit Erich Näckler, bin ich für den Verein "Südtiroler Ärzte für die 3. Welt" kurz nach Kolkata (ind.Name für Calcutta) aufgebrochen, um bereits geförderte Projekte zu besichtigen und um eventuelle neue Initiativen aufzuspüren, die wir unterstützen könnten.
Ich selbst bin als Haematologe im Bozner Krankenhaus tätig, Erich ist
Flughelfer bei der Südtiroler Landesflugrettung. Der erste Eindruck
dieser fast 20 Millionen Menschen Metropole ist unbeschreiblich, mit
all den Menschen auf der Strasse, den Gerüchen, dem Lärm und der so
verschiedenen Lebensweise. Inmitten dieses Chaos trafen wir in einer
kleinen Strasse zufällig die beiden zur Zeit in Kolkata arbeitenden
südtiroler Krankenschwestern, Claudia Dessi und Veronika Obermayr ,
welche in den Projekten von Mutter Theresa mitarbeiten. Wir haben uns
dann einige Tage mit Hilfe von Claudia und Vroni in den Projekten von
Mutter Theresa umgeschaut und mitgearbeitet.Beeindruckend war die Ruhe
in der "Oase" des Sterbehauses von Kalighat mit seiner besonderen
Atmosphäre, der Schwester Teresina, dem Bayer Andy Wimmer und all den
Freiwilligen jeder Altersgruppe aus den verschiedensten Ländern der
Welt, die sich um ca. 50 Kranke und Ausgestossene, meist von der
Strasse kommend, kümmern! Ich würde Jedem empfehlen einfach einmal
einige Tage dort zu verbringen! Wir haben Andy kennengelernt, einen
ehemaligen Bankkaufmann, der nun seit 13 Jahren als Freiwilliger im
Sterbehaus in Kalighat....Ausserdem hilft er einzelnen Familien der
Umgebung, welche in unvorstellbaren Verhältnissen hausen; dabei
untertützt unser Verein ihn finanziell (dies geht vom Kauf von
Schulmaterial bis hin zum Kauf von einem Ventilator für eine 4
Quadratmeterwohnung, in welcher 5 Menschen leben!?). Wir wurden dann
von Wolfgang Müller der Ali Sk Memorial Society for Children zu seinem
Projekt im südlichen Kolkata geführt. In seinem Haus nimmt Wolfgang
Kinder auf, (das kleinste ist 18 Monate alt), welche von anderen
Organisationen im Bahnhof Shealda gefunden, aufgenommen und fürs Erste
versorgt werden. Einige Hundert Kinder leben "wie Wildkatzen"in den
Bahnhöfen Calcuttas, menschenscheu und von den Eltern ausgesetzt. Nach
einer ersten Phase, in der die Kinder an eine "andere Form des
Zusammenlebens" gewöhnt werden, wird mit Wolfgang oder anderen
ähnlichen Projekten Kontakt aufgenommen, welche die Kinder dann
übernehmen. Wolfgang hat zur Zeit 25 Kinder im Haus. Auf einer
schattigen Dachterasse bei ihrem gemeinsamen Mittagessen, haben sie uns
mit frohen Gesichtern empfangen. Am Nachmittag habe ich eine ärzliche
Untersuchung an den Kindern durchgeführt, wobei ich feststellte, dass
sie gut versorgt und ohne nennenswerte Probleme waren, wenn man von
einer gerade durchgemachten Varizellen-Epidemie im Haus absieht; die
Kinder werden hier regelmäßig von einem Arzt betreut und haben auch
alle empfohlenen Impfungen erhalten. Wolfgang kümmert sich ausser um
die Verpflegung auch um die Schulbildung, die Freizeit
(z.B.Karate-Kurs)und geht sogar manchmal mit den Kleinen in den Urlaub
ans Meer oder in die Berge, wie ein Vater, aber eben mit 25 Kindern...!
Mit der Unterstützung der Region Trentino Südtirol wird unser Verein
die Erweiterung dieses Hauses finanzieren, um ca. 40 Kindern Platz zu
gewährleisten. Nach Überwindung der letzten burokratischen Hürden in
Indien, sollten die Bauarbeiten so bald wie möglich beginnen. Der Bayer
Andy Wimmer hat uns auf ein Projekt eines indischen Geistlichen aus
Kerala , Pater Xavier-Missionaries of the Word, aufmerksam gemacht.
Seit ca. 4 Jahren nehmen die Padres Kinder aus dem Rotlichtmilieu rund
um das Sterbehaus von Kaligath auf, welche von ihren Müttern, die als
Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdienen, völlig vernachlässigt
oder ausgesetzt worden sind. Wir haben ihn im Süden von Kolkata in der
Nähe von Feldern und Kanälen in seinen grossen Bambushütten besucht.
Auch hier erwarteten uns an einem Wochenende 50 Kinder, im kleinen Hof
Fussball spielend. Pater Xavier hat dieses kleine Landstück in Miete
und hat darauf 2 Bambushütten aufgestellt, in denen jeweils 25 Kinder
wohnen ( die Mädchen wohnen etwas weiter weg, am Wochenende sind sie
alle vereint); er sorgt für den Unterhalt, schickt sie in die
nahegelegene Schule, bezahlt das Schulgeld und verpflichtet sich auch
nach Schulabgang den Jugendlichen eine Ausbildung zu gewährleisten (
Schneider, Tischler,...). Für eine medizinische Betreuung fehlen
allerdings die Mittel. Da der Mietvertrag ausläuft, hat Pater Xavier
die Möglichkeit das Grundstück zu kaufen, andernfalls muss er
wegziehen, was dieses mühsam erlangte Gleichgewicht ins Wanken bringt
und die Zukunft der Kinder vollkommen verunsichert. Für dieses Projekt
möchten wir uns einsetzen, zumal es noch in den Kinderschuhen steckt,
und auch keine Aussicht auf Finanzierung durch andere Organisationen
besteht. Wir haben dann ein weiteres Projekt ausfindig gemacht, welches
ähnlich wie jenes von Wolfgang mit Kindern aus den Bahnhöfen arbeitet.
Hierfür sind wir zum Bahnhof Howrah gefahren, von hier aus mit einem
Bus zum Haus von Schwester Molly (einer Ordensschwester mit mehreren
Häusern, Mutterhaus im Norden Indiens). Auch hier ein ähnliches
Bild,ein sehr ordentliches Haus mit 25 Kindern und ausgezeichneter
Betreuung durch3 Ordensschwestern. Schwester Molly wird ein 2. Haus
eröffnen, wobei sie uns das Haus gezeigt hat. Es fehlen aber noch die
nötigen Mittel um diese einzurichten. Auch hier wäre eine finanzielle
Hilfe nötig und sinnvoll. Diesen drei Projekten ist gemeinsam, dass
Kindern, die ansonsten ohne Zukunft wären, ein Zuhause und die
Möglichkeit einer Schulbildung gegeben wird, und Letzteres ist
sicherlich eine der wenigen Möglichkeiten, vielleicht etwas für eine
bessere Zukunft beizutragen, wenn auch mit dem Bewusstsein, dass es nur
ein kleiner Tropfen im Ozean ist.
Norbert Pescosta
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