"Der einzig wahre Fortschritt für die Menschheit ist der Fortschritt in der Nächstenliebe"
Aldous Huxley
Indien, Claudia Dessì - Kalkutta

Calcutta - die Stadt der Freude

Denkt man an Calcutta so verbindet man damit Misere, Elend, Slums...doch nicht wenn man selbst in Calcutta war. Diese Stadt ist mehr als das, sie ist vor allem Solidaritaet. Ich hatte das große Glück sechs Monate dort verbringen zu können und in der Nähe wunderbarer Menschen sein zu dürfen.

dessi_im.jpgMein erstes Monat in Calcutta arbeitete ich im Sterbehaus von Mutter Theresa, eine Oase der Ruhe und der Liebe in Mitten des stark belebten Viertels Kalighat. Unterschlupf und medizinische Hilfe finden hier vor allem Menschen die auf den Strassen Calcuttas leben, in den Slums, an den Bahnhöfen; Menschen die von den umliegenden Regionen oder gar von Bangladesh nach Calcutta kommen um dort eine bessere Zukunft zu finden. Jeden Tag brachten freiwillige Helfer Sterbende oder sehr kranke und schwache Menschen die sie auf der Strasse aufgefunden hatten. Und gerade hier konnte ich dann die folgenden fünf Monate mitarbeiten - am Bahnhof Sealdah. Wir waren ein Team von 3 Leuten und gingen jeden Tag am Morgen zum Bahnhof. Ausgerüstet mit Samosas (gefüllte Teigtaschen), gekochten Eiern und Verbandsmaterial gingen wir die Plattformen auf und nieder, verteilten Essen , legten Verbände an und zeigten den Menschen die Dispensary, ein kleines Tagesambulatorium das von den Missionsschwestern geleitet wird. Hier durften wir die Strassenleute waschen, ihnen saubere Kleidung geben und sie in Ruhe untersuchen. Mit Hilfe der "sisters" konnten wir Mütter und Schwangere beraten und gezielt Medikamente einsetzen. Am Bahnhof trafen wir immer wieder auf Menschen die im Sterben liegen. Wenn sie es zuließen brachten wir sie in das Sterbehaus von Mutter Theresa. Hier konnten sie anstatt zwischen Dreck und Hektik in einem ruhigen Umfeld mit Würde sterben, oder sich sogar erholen. Ich habe für meinen Beruf als Krankenschwester viel lernen aber vor allem fuer mein Leben so viel mitnehmen können. Die Menschen vom Bahnhof, die freiwilligen Helfer von Calcutta, die Missionsschwestern die sich Tag für Tag für Liebe und Gerechtigkeit einsetzen, der Verein der Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt, danke von Herzem.

Claudia

 
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