"Der einzig wahre Fortschritt für die Menschheit ist der Fortschritt in der Nächstenliebe"
Aldous Huxley
Gambo Hospital 2008 - Dr. Anna Thurner - Dr. Sandra Sparesato

  Meine Freundin und Kollegin Sandra Sparesato und ich waren vom 5. November bis 15. Dezember 2008 im Gambo Hospital in Äthiopien im freiwilligen Einsatz. Es war für uns bereits das 2. Mal, dass wir nach Gambo fuhren. thiopien_2008_ii_042.jpg

Der Empfang in der Mission war herzlich, unsere Unterkunft angenehm. Die täglichen gemeinsamen Abendessen ließen uns ein besonderes Gefühl von Gemeinschaft erleben, anschließend konnte man sich die Zeit mit Kartenspielen, einem „Ratscherle“ oder auch mit Kuchenbacken (was von allen sehr geschätzt wird) vertreiben.

Im Spital bekamen wir wieder unseren „alten Arbeitsplatz“ im O.P.D., wo täglich 100 bis 200 Menschen ankommen um medizinische Hilfe zu suchen. Außerdem machten wir auch Visiten im „General Ward“, der internistischen Abteilung, und bei Bedarf in der Lepra-Station. Gleichzeitig mit uns arbeiteten in Gambo eine Gynäkologin, ein Team von Kinderorthopäden und -orthopädinnen und 2 Apotheker/innen aus Spanien.

Seit unserem letzten Aufenthalt in Gambo hat sich einiges geändert: Es gibt jetzt 2 Ärzte (davon 1 Chirurg), und eine Ärztin, welche fix angestellt sind, somit ist die ärztliche Versorgung besser abgedeckt. Alle Abteilungen sind durch eine interne Telefonleitung mit dem Verwaltungsgebäude und untereinander verbunden, was einem viel Hin-und Herlaufen erspart. Die Apotheke wird in Zusammenarbeit mit spanischen Apothekern und Apothekerinnen neu organisiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktioniert das neue System nun recht gut. Die Räume der Apotheke werden renoviert und neu eingeteilt, es werden auch bestimmte Medikamente vor Ort hergestellt. Die Krankenzimmer haben einen frischen, abwaschbaren Wandanstrich bekommen. 

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Die schönste Abteilung ist sicherlich die Pädiatrie, wo sehr gute Arbeit geleistet wird. Die Zimmer mit den unterernährten Kindern sind immer voll, in wochenlangem stationären Aufenthalt werden sie durch angemessene Ernährung und medizinische Behandlung wieder auf ein akzeptables Körpergewicht gebracht. Kinder mit großen Verbrennungen werden behandelt und auf eine Hauttransplantation in Addis Abeba vorbereitet. Einen Monat im Jahr kommt ein Team von spanischen Kinderorthopäden um Kinder mit Missbildungen und/oder Verletzungen zu operieren. In der Lepra-Station werden Leprapatienten vor allem mit allergischen Reaktionen auf die Therapie und eiternden Wunden und Geschwüren wochenlang behandelt. thiopien_2008_055.jpg

Um sich die Zeit zu vertreiben, haben viele das Stricken erlernt und verkaufen dann ihre gestrickten Schals und Pullover. Außerdem stellen manche Frauen Korbwaren her und verkaufen sie. 

Wir haben in diesem Jahr eine deutliche Zunahme von Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria festgestellt. Eine schlechte Ernte im letzten Jahr und der Anstieg der Lebensmittelpreise, besonders des Getreides, führen vermehrt zu Hunger und Mangelernährung, am meisten davon betroffen sind Kinder und Frauen.

Der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene führt besonders bei kleinen Kindern zu Darminfektionen. Es gibt auch immer wieder Engpässe bei den elementarsten Dingen, z.B. Medikamenten, Sanitätsmaterial, usw. Die Zusammenarbeit mit dem staatlichen Gesundheitsdienst ist oft schwierig, es gilt, viele langwierige bürokratische Hürden zu überwinden. Die freiwilligen Arbeitseinsätze könnten vielleicht besser koordiniert werden, um während des ganzen Jahres eine zusätzliche Hilfe zu gewährleisten.

Auch diesmal war unser Aufenthalt im Gambo Hospital wieder interessant und lehrreich.Wir konnten durch unsere Hilfe die Arbeit der Kollegen vor Ort etwas erleichtern oder ihnen einen kurzen Urlaub ermöglichen. Vor allem aber freute es uns, Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung zu haben, den Menschen unsere medizinische Hilfe anzubieten, aber auch so manche neue Erfahrung zu sammeln.                                      

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