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Bericht eines Vereins-Mitglieds über seinen Einsatz in Brasilien
Bereits in meiner Oberschulzeit erwachte in mir das Interesse für die Menschen der Dritten Welt und so hegte ich schon lange den Wunsch, einmal in einer Missionsstation arbeiten zu dürfen.
Somit nahm ich die Einladung zur Mitarbeit in der von den Schwestern
des Franziskanerordens geführten Einrichtung in Passo Fundo gerne an,
und entschloß mich für 3 Monate vom (11. November bis 4. Februar)
dorthin zu reisen und unentgeltlich in ihrer Stätte mitzuarbeiten.
Dabei möchte ich hervorheben, daß mein Flug mit einem beträchtlichen
Beitrag vom Verein der Ärzte für die Dritte Welt mitfinanziert wurde,
wofür ich mich aufs herzlichste bedanken möchte. Sicherheit und
Zuversicht, daß ich gebraucht werde und es mir dort auch gut gehe, gab
mir meine Tante Sr. Ilda, welche nämlich vor über 40 Jahren gemeinsam
mit ihren Mitschwester am Rande der Großstadt Passo Fundo eine
Kleinkindertagesstätte aufgebaut hatte, die sich im Laufe der Jahre zu
einem großen Zentrum für Kinder-, Jugend und Familienarbeit erweitert
hat. Diese Missionsstation nennt sich SOCREBE (Soc. Cultural Recreativo
e Beneficiente Sao Joao Bosco) und bildet mit vielen einfachen Häusern,
bzw. Hütten und teilweise Baracken, sowie einem kleinen Gotteshaus und
einer Schule das Dorf Santa Marta. In Santa Marta leben vorwiegend arme
Menschen, welche vom Land in die Stadtnähe geflüchtet sind in der
Hoffnung, bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten vorzufinden. Die
Einwohnerzahl dieses Stadtteiles wächst daher von Tag zu Tag, da die
Landflucht groß ist. Während die Eltern ihrer Beschäftigung bzw. ihrer
Arbeit nachgehen, werden die Kleinkinder auch Babys im Zentrum SOCREBE
betreut, die Schulkinder und eventuell Jugendliche werden in ihrer
Freizeit durch verschieden Angebote wie Tanzen, Musizieren, Basteln,
Modellieren, sportliche Aktivitäten (vorwiegend Fußball) und
Gemeinschaftsspiele sinnvoll beschäftigt. In kleinen Werkstätten können
Jugendliche erste Berufserfahrungen im Nähen, Töpfern und Tischlern
sammeln. 500 Kinder und Jugendliche gehen täglich in der
Missionsstation ein und aus. Die meisten bekommen auch zwei mal am Tag
eine volle Mahlzeit. Die Schule, welche sich unmittelbar an der
Missionsstation befindet ist staatlich geführt und bietet wegen der
großen Schülerzahl Turnusunterricht an. Leider hatte ich in den ersten
Tagen wegen meiner Sprachdefizite Schwierigkeiten den Zugang zu den
Kindern, besonders zu den Kleinkindern zu finden. Doch bereits nach
einer Woche konnte ich mit 2 Studenten meines Alters Aufträge
übernehmen und ausführen. Wir fuhren mit einem Laster in die Stadt und
mussten auf einer Baustelle altes Holz aufsammeln.Dieses Holz brachten
wir nach Santa Marta und gaben es einer Familie, die sich damit ihr
Haus renovierte. Ab und zu holten wir in der Stadt verschiedene Sachen
wie z.B. Bücher, Möbel, Gasherde, Kleider usw., die reichere Menschen
umsonst hergaben. Diese Artikel brachten wir in die SOCREBE und dort
wurden sie an arme Familien verteilt. Arbeit fand ich auch im großen
Garten der SOCREBE. Wegen der relativ hohen Hitze, die mir vor allem im
Jänner zu schaffen machte, war diese Arbeit sehr mühsam aber von hohem
Wert. Nachmittags arbeitete ich sehr oft gemeinsam mit Jugendlichen in
einem Recyclinghof, der bis vor kurzem auch von der SOCREBE geführt
wurde. Unsere Arbeit bestand darin, verschiedene wiederverwertbare
Materialien zu trennen und zu pressen. Diese Materialien wurden
verkauft und somit konnten die Organisation SOCREBE und auch die
Jugendlichen etwas Geld verdienen. An einem Nachmittag verdiente ein
Arbeiter im Recyclinghof umgerechnet nur 1,20 €. Viele Einwohner von
Santa Marta fuhren jeden Tag mit ihrem Pferdegespann ins Stadtzentrum,
um dort Müll zu sammeln. Alles was sie zusammentragen konnten, brachten
sie zu uns in den Recyclinghof, um dort ihre recyclebaren Waren wiegen
zu lassen. Je nach Gewicht und Material wurde ausbezahlt. Karton,
Plastikflaschen, Glas und Kupfer waren die Materialien, die am meisten
Geld abwarfen und somit auch am meisten gesammelt wurden.Im letzten
Monat meines Aufenthaltes waren meine Sprachkenntnisse um einiges
besser als noch am Anfang. Nun konnte ich auch viel mehr mit Kindern
mmunizieren. Im Jänner hatte ich die Gelegenheit sehr viel mit Kindern
zu arbeiten. Manchmal unternahmen wir kleinere Ausflüge wie z.B.
Zoobesuch, Schwimmbad, Bauernhof oder Nationalpark. Bei diesen
Ausflügen wurde ich meistens als Begleitperson mitgenommen. Von den
Kindern wurde ich schnell und sehr freundlich aufgenommen, doch
benötigte ich auch sehr viel Geduld. Mit den Buben spielte ich sehr oft
Fußball, mit den Mädchen Volleyball oder Seilspringen. Nach meinem
Aufenthalt in einem Land der dritten Welt bin ich sehr beeindruckt von
Brasilien. Der Süden von Brasilien zählt zwar zum reichsten Teil des
ganzen Landes, trotzdem aber ist Armut, Hunger und soziale Ungleichheit
bei weitem nicht zu übersehen. Doch die Menschen kamen mir stets sehr
freundlich, offen und aufgeschlossen entgegen.Manchmal kam mir sogar
vor, dass die ärmsten Menschen dort sehr glücklich waren, mit dem
Wenigen was sie hatten. Wobei sie manchmal nicht einmal über fließend
Wasser, Strom und angemessener sanitärer Anlagen verfügten. Mein Bezug
zu armen Menschen bzw. Strukturen hat sich nach meiner Zeit in
Südamerika in gewisser Weise verändert. Erst jetzt erkenne ich
wirkliche Armut. Meine Erfahrung in Brasilien gebe ich gerne an andere
Jugendliche weiter, damit vielleicht auch sie bewegt werde, einmal in
ein Land der dritten Welt zu fahren. Martin
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